Warum diese Initiative?

Wir brauchen eine andere Art des Lernens

Unser Denken über Lernen im Berufskontext steckt noch zu oft fest im Schulparadigma. Lerninhalt wird in Module zerkleinert, Trainern zugeordnet, und dann in einem Raum außerhalb des Arbeitsalltags (ob nun on-site oder off-site) gelehrt. Viele Lern-Innovationen, die mit großem Hurra daherkommen, sind eigentlich nur eine Fortsetzung der Schule mit anderen Mitteln: Ein Wissender steht Lernenden gegenüber, vermittelt seine Inhalte (vielleicht auch in Form von Handlungstipps) und der Lernende ist nachher gefordert, dieses erlernte Wissen in seinen Alltag zu integrieren.

Dass diese Form immer weniger den heute relevanten Organisationsfragen gerecht wird, ist eine Binsenweisheit ohne Konsequenzen: Wir wissen zwar, dass ein Training einem Thema überhaupt nicht gerecht wird, aber weil wir keine andere Idee haben, machen wir dann doch mal ein Training

Es ginge auch anders.

Dieses „anders“ gründet sich auf vier Einsichten:

  1. Man kann nicht lernen gegen seinen Willen.
    Das Wollen des Lernenden ist Voraussetzung für sein Können. Effektive Lernentwürfe beschäftigen sich darum genau so intensiv mit Fragen des Wollens wie mit Fragen des Könnens.
  2. Der direkte Arbeitskontext ist die effektivste Lernumgebung
    Viele relevante Fähigkeiten lernen Mitarbeiter, scheinbar mühelos, in der alltäglichen Arbeit. Man tauscht sich kurz aus, fragt den Kollegen um einen Tipp. Was so gelernt wird, geht automatisch in die normale Arbeitspraxis über, wird genutzt und weiterentwickelt. In so einem Kontext verschwindet der Unterschied zwischen Arbeiten und Lernen. Solch müheloses Alltagslernen ist nicht immer möglich – aber viel öfter, als wir denken. Effektive Lernentwürfe erweitern darum das Spielfeld, auf dem sie sich bewegen: Lernen innerhalb und außerhalb des Arbeitskontexts, strukturierte und unstrukturierte Interventionen, je nach Anforderung.
  3. Wissen ist individuelle Handlungsfähigkeit.
    Wir sehen Wissen als etwas, das jemanden befähigt zu tun. Schließlich wirken Menschen vor allem über ihr Handeln. Die Entwicklung von Handlungsfähigkeit ist immer ein persönlicher Lernprozess. Das theoretische Wissen, in welcher Frequenz und mit welchen Muskelbewegungen ein Opernsänger singt,  bringt mich noch lange nicht auf die Bühne. Das Wissen darüber, wie Kommunikation funktioniert, heißt noch lange nicht, dass ich gut kommuniziere. Es kann mir sogar im Weg stehen.
    Die effektiven Lernentwürfe, die wir uns vorstellen, nehmen darum individuelle Talente und Fähigkeiten als Ausgangspunkt für Entwicklung.
  4. Es geht um die Umsetzung.
    Lernen im Arbeitskontext will das Handeln der Lernenden beeinflussen. Alles andere ist Nebensache. Da nur dieses Handeln letztendlich für andere, bessere Ergebnisse der Organisation sorgt. Die Effektivität von Lernmaßnahmen zeigt sich darin, inwiefern die Lernenden danach im Arbeitsalltag anders handeln. Dafür braucht es ein Mitgestalten aller Beteiligten – auf partnerschaftlicher Augenhöhe.
    Alle wirklich effektiven Lernentwürfe sind darum rigoros und richten sich auf das Handeln in relevanten Arbeitssituationen – als gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten.